Almwirtschaft in Österreich: Chancen und Herausforderungen auf der Alm

27.05.2026 / Lebensraum & Nachhaltigkeit

„In die Berg’ bin i gern und da gfreit si mei Gmiat …“ So beginnt ein Volkslied, das auf den Punkt bringt, was viele mit den Alpen verbinden: Erholung, Natur und das Gefühl von Freiheit. Nach dem Winter zieht es uns auf die Almen, wo türkise Bergseen, gepflegte Wanderwege und eine herzhafte Jause auf der Hüttenterrasse warten.

Was viele unterwegs in der alpinen Landschaft übersehen: Diese idyllische „Natur“ ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis harter Arbeit von Bäuerinnen und Bauern. Die Almwirtschaft prägt nicht nur die Landschaft, sondern auch den Tourismus in Österreich. Umgekehrt sind die Almen stark vom Tourismus und der Lebensmittelproduktion geprägt. Die Almwirtschaft betrifft also selbst jene, die selten oder nie wandern gehen.

Warum Almen unverzichtbar sind

Almen sind weit mehr als schöne Ausflugsziele – sie erfüllen zentrale Funktionen für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft.

Almwirtschaft erhält „pure Natur“

Das, was wir als „unberührte Natur“ wahrnehmen, ist in Wahrheit eine über Jahrhunderte geformte Kulturlandschaft. Durch die Beweidung und das Mähen sind offene, kleinteilige Flächen entstanden, die durch die Bewirtschaftung weiter erhalten werden. Die Almwirtschaft verhindert die Verwaldung, fördert die Biodiversität und schafft genau jene Landschaftsbilder, die wir so schätzen.

Almwirtschaft stärkt den Tourismus

Die Almwirtschaft ist einer der Gründe, warum die Alpen ein Tourismusmagnet sind. Gepflegte Wege, freie Sicht auf Bergpanoramen und bewirtschaftete Hütten machen das Wandern erst attraktiv. Im Winter profitieren auch Skigebiete von dieser gepflegten Landschaft – die Bewirtschaftung der Almen hält Flächen frei, die im Winter als Pisten präpariert werden.

Almwirtschaft produziert regionale Lebensmittel

Auf Almen entstehen hochwertige regionale Lebensmittel – von Milch über Käse bis hin zu Fleischprodukten. Viele Hütten bieten eigene Produkte an oder arbeiten eng mit regionalen Betrieben zusammen. Das sorgt für authentische Qualität auf den Tellern der Gäste.

Schon gewusst? Alm und Hütten

  • Alm: Eine Bergweide, auf der Tiere wie Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde den Sommer verbringen. Am häufigsten werden Milchkühe, Mutterkühe und Jungtiere auf die Alm getrieben.
  • Almhütte: Ein Gebäude auf der Alm. Hütten dienen als Unterkunft für Almpersonal oder als Einkehrmöglichkeit für Touristen und Bergsteigerinnen. Oft werden dort Lebensmittel direkt erzeugt, etwa auf Sennalmen.
  • Alpenvereinshütte: Ein Stützpunkt für Wanderungen und Bergtouren mit meist einfachem Komfort und ohne landwirtschaftlichen Zweck. Können im Almgebiet, aber auch im Tal oder Hochgebirge liegen. Viele Alpenvereinshütten achten bei der Verpflegung der Gäste auf die Verwendung regionaler Lebensmittel.
     

Reality-Check: Harte Arbeit ohne Zukunft?

So romantisch sich die Werbefotos unserer Almlandschaft präsentieren – für die Arbeit dort birgt der Tourismus nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen.

  • Hoher Aufwand, geringer Ertrag: Die Bewirtschaftung einer Alm ist körperlich anspruchsvoll und zeitintensiv. Viele Betriebe kämpfen ums Überleben, weil sich die Arbeit finanziell oft nicht mehr auszahlt.
  • Strukturwandel: Täglich sperren landwirtschaftliche Betriebe zu. Somit werden auch immer mehr Almen aufgegeben. Gründe sind Probleme bei der Hofnachfolge sowie die schwierigen Arbeitsbedingungen. Mit der sinkenden Anzahl an Bauernhöfen nimmt auch die Landschaftsvielfalt ab.
  • Konflikte mit Freizeitnutzung: Mit steigenden Besucherzahlen nimmt das Konfliktpotential zu: durch unbedachtes oder falsches Verhalten bei der Begegnung mit Weidetieren, beispielsweise, wenn Hunde auf Mutterkuhherden treffen, durch Littering – also Müll in der Natur – und durch Missverständnisse über landwirtschaftliche Abläufe.
  • Klimawandel und Naturgefahren: Extremwetter, Trockenperioden oder Naturereignisse wie Lawinen und Bergrutsche setzen den Almen zusätzlich zu. Die Bewirtschaftung wird dadurch noch herausfordernder. Gleichzeitig steigt etwa die Lawinengefahr, wenn Almwiesen nicht mehr bewirtschaftet werden.
     

Regionale Versorgung als Chance

Was die Almwirtschaft stärken kann, ist eine Hüttengastronomie, die den Fokus auf regionale Produkte legt. Das hilft nicht nur der regionalen Wirtschaft, sondern sorgt auch für hohe Qualität auf den Tellern der Gäste und ein authentisches Gesamterlebnis.

Die Versorgung von Berghütten ist aufwendig: Lebensmittel müssen oft zu Fuß oder per Materialseilbahn transportiert werden, Lagerkapazitäten sind begrenzt und das Wetter bestimmt die Logistik. Das kann für Hüttenwirtinnen und –wirte zu hohen Preisen in der Anschaffung führen. Umso wichtiger sind stabile Partnerschaften zwischen Hütten und landwirtschaftlichen Betrieben: Lange Transporte werden vermieden, Produktion und Tierwohl erfüllen österreichische Standards und gleichzeitig wird jene Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte honoriert, die die Berglandschaft erst zu dem macht, was sie ist.

Was kannst du tun?

Hast du Lust bekommen auf ein Abenteuer in der Natur oder vielleicht sogar auf eine Hüttenübernachtung? Gute Vorbereitung bedeutet dabei nicht nur körperliches Training oder das Packen des Rucksacks. Auch dein Verhalten am Berg soll geplant sein und kann einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Almwirtschaft leisten.

Indem du auf Hütten bewusst regionale Produkte wählst, unterstützt du die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern und stärkst die lokale Wirtschaft. Gleichzeitig ist es wichtig, Weidetiere und ihre Flächen zu respektieren. Sie sind kein Streichelzoo, sondern Teil eines funktionierenden landwirtschaftlichen Systems. Verschiedene Institutionen, wie Alpenverein, Landwirtschaftskammern oder Schutzgebietsbetreuungen informieren darüber, wie man sich bei Begegnung mit Weidetieren verhalten soll. Achte zusätzlich darauf, Müll zu vermeiden und alles, was du mitbringst, wieder mit ins Tal zu nehmen.

Almen für die Zukunft

Almen sind echte Juwelen – ökologisch, kulturell und wirtschaftlich. Gleichzeitig ist dieses System sehr empfindlich. Die Zukunft der Almen hängt vom Zusammenspiel vieler Akteure ab: von Landwirtschaft, Tourismus, Organisationen und nicht zuletzt von uns Gästen. Nur gemeinsam lässt sich diese einzigartige Landschaft langfristig erhalten.

 

Was macht der Alpenverein? Der Österreichische Alpenverein wurde 1862 gegründet. Das Ziel damals: „Die Kenntnis von den Alpen zu verbreiten, die Liebe zu ihnen fördern und ihre Bereisung zu erleichtern.“ Heute motiviert der Alpenverein mit über 726.000 Mitgliedern Menschen zum Sport in den Bergen und hält dazu auch Hütten und Wege instand. Außerdem versteht sich der Verein als „Anwalt der Alpen“ und setzt sich dafür ein, dass die Natur erhalten und zukünftig für alle zugänglich bleibt.

 

Dieser Beitrag entsteht mit Unterstützung von Bund und EU. Im Rahmen des Projekts „Bergsteigerdörfer 2030 – Gemeinsam für nachhaltigen Alpintourismus“ setzten Land schafft Leben und der Österreichische Alpenverein ein Umweltbildungsprojekt um.

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