Laktosefreie Milch: Bin ich intolerant? 

27.05.2026 / Ernährung & Gesundheit

Ein frisches Glas Milch zum Kaiserschmarren oder ein Schüsselchen Joghurt mit selbstgemachtem Granola zum Frühstück – nicht allen Österreicherinnen und Österreichern läuft dabei das Wasser im Mund zusammen. Viele denken an Blähbauch, Durchfall oder andere unangenehme Symptome. Der Auslöser: Laktoseunverträglichkeit. Woher weiß ich, ob mich das betrifft? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Lebensmittel Milch.

Was ist Laktose eigentlich?

Milchzucker, also Laktose, kommt natürlicherweise nur in tierischer Milch und Muttermilch vor. Sie ist ein Zweifachzucker und setzt sich aus Traubenzucker und Schleimzucker zusammen. Diese beiden Zuckerarten werden auch oft mit den Namen „Glukose“ für Traubenzucker und „Galaktose“ für Schleimzucker bezeichnet.

Warum vertragen die meisten Menschen keine Laktose?

Weltweit verträgt nur rund ein Viertel der Menschen Laktose, die Mehrheit ist laktoseintolerant. In Österreich verhält es sich genau andersherum: Die meisten haben keine Probleme mit der Laktose. Etwa 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung vertragen Laktose nur bis zu einem gewissen Grad oder sind von Laktoseintoleranz betroffen.

Damit ist sie aber auch in Österreich die häufigste Lebensmittelintoleranz bei Erwachsenen. Betroffene produzieren zu wenig des Enzyms Laktase, welches die Laktose im Dünndarm in ihre zwei Bestandteile aufspaltet: Traubenzucker und Schleimzucker. Wird die Laktose nicht gespalten, gelangt sie in den Dickdarm. Dort wird sie von Darmbakterien vergoren, wobei unter anderem Gase wie Wasserstoff und Kohlendioxid entstehen. Diese können Blähungen, Bauchschmerzen bis hin zu Durchfall verursachen. Um sicher zu sein, dass eine Laktoseintoleranz vorliegt, wird nach einem Gespräch über die Beschwerden meist ein Wasserstoff-Atemtest durchgeführt.

 

Für viele ist die Diagnose mit Verunsicherung verbunden. Darf ich nun gar keine Milch und keine Milchprodukte mehr konsumieren?

 

Nein, bei Laktoseintoleranz musst du nicht komplett auf laktosefreie Ernährung umstellen. Viele Betroffene vertragen kleine Mengen Laktose gut. Wie viel möglich ist, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vertragen viele Menschen mit Laktoseintoleranz etwa bis zu zwölf Gramm Laktose pro Portion – das entspricht ungefähr einem Glas Milch. Manche reagieren aber schon auf kleinere Mengen empfindlich. Deshalb solltest du ausprobieren, was du persönlich gut verträgst.

Einige Milchprodukte enthalten außerdem von Natur aus nur wenig Milchzucker. Dazu gehören zum Beispiel Butter oder Käsesorten wie Gouda, Edamer oder Parmesan. Während der Reifung wird die Laktose großteils abgebaut. Auch Joghurt, Buttermilch oder Sauermilch werden oft besser vertragen, weil Milchsäurebakterien einen Teil der Laktose abbauen.

Wichtig ist auch ein Blick auf die Zutatenliste: Selbst Süßigkeiten, Backmischungen oder Instant-Suppen können Laktose enthalten.

In welcher Milch ist Laktose?

Laktose, der Milchzucker, kommt natürlicherweise in der Milch von Säugetieren vor – also auch in Kuh-, Schaf-, Ziegen- und Muttermilch. Der Laktosegehalt von Schafmilch gleicht dem von Kuhmilch. Ziegenmilch enthält geringfügig weniger Laktose. Bei Milcherzeugnissen ist der Anteil an Laktose vom Herstellungsprozess, wie zum Beispiel der Fermentationsdauer bei Joghurt, abhängig.

Was ist laktosefreie Milch?

Laktosefreie Milch hat in Österreich einen maximalen Restlaktosegehalt von 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm. Um laktosefreie Milch herzustellen, muss der Zweifachzucker Laktose in seine beiden Bestandteile Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) aufgespalten werden. Der Milch wird im Herstellungsprozess Laktase zugefügt – dieses Enzym spaltet den Milchzucker. Die Milch wird also quasi vorverdaut.

Schimmelpilze bei der Erzeugung laktosefreier Milch

Damit Milch für Menschen mit Laktoseintoleranz verträglich wird, nutzen Verarbeitungsbetriebe für laktosefreie Milcherzeugnisse Schimmelpilze oder auch Hefen. Diese werden unter Laborbedingungen zur Laktase-Bildung angeregt. In der Molkerei wird zur Produktion von laktosefreier Milch der Milch diese gewonnene Laktase zugesetzt.

Wieso ist laktosefreie Milch süß?

Laktosefreie Milch schmeckt etwas süßer als Milch. Das liegt daran, dass die Einfachzucker in der laktosefreien Milch süßer schmecken. Der Energiegehalt ist allerdings gleich hoch. Laktosefreie Milch enthält also nicht mehr Kilokalorien als herkömmliche Milch.

Intoleranz ist keine Allergie!

Die Kuhmilcheiweiß-Allergie ist eindeutig von der Laktoseintoleranz zu unterscheiden. Die Kuhmilcheiweiß-Allergie kommt seltener vor und ist eine Reaktion des Immunsystems auf Milcheiweiße. Bei der Laktoseintoleranz handelt es sich nicht um eine Allergie, sondern eine Unverträglichkeit. Die Laktoseintoleranz hat nichts mit dem Immunsystem zu tun, sondern mit dem Verdauungstrakt, wo die Laktose der Milch gespalten wird.

Kuhmilcheiweiß-Allergie

Kommt es bei einem kräftigen Schluck Milch nach ein paar Minuten oder Stunden zu einer allergischen Reaktion, könnte es sich um eine sogenannte Kuhmilcheiweiß-Allergie handeln. Sogar schon der Verzehr von Nahrungsmitteln, die nur zum Teil aus Milchprodukten bestehen oder gar nur Spuren enthalten, kann bei Betroffenen zu Bauchschmerzen, Durchfall, Ausschlag und Atembeschwerden führen. Diese Symptome können sogar in seltenen Fällen lebensgefährlich sein. Von der Allergie sind europaweit unter einem Prozent der Bevölkerung betroffen, größtenteils in den ersten Lebensjahren. Im Erwachsenenalter kommt sie nur sehr selten vor.  

Besteht der Verdacht auf eine Kuhmilcheiweiß-Allergie, müssen entsprechende medizinische Tests durchgeführt werden. Die Milch anderer Tierarten wie Schafs- oder Ziegenmilch wird nur von wenigen Betroffenen vertragen, da die Eiweiße sehr ähnlich sind, sodass es trotzdem zu allergischen Reaktionen kommen kann. Auch das kann getestet werden. Manchmal werden jedoch hocherhitzte Produkte vertragen, da sich Eiweiß durch Erhitzen verändert. Um den Speiseplan optimal zu gestalten, ist eine diätologische Betreuung unbedingt notwendig.

Schon mal was von A2-Milch gehört?

Viele kennen die A2-Milch besser als „Urmilch“, wie sie in Supermärkten beworben wird. „Urmilch“ klingt erstmal ursprünglich und simpel. Tatsächlich steckt dahinter jedoch eine Besonderheit beim Milcheiweiß. Rund 80 Prozent des Eiweißes in der Milch bestehen aus sogenannten Kaseinen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Beta-Kasein, das in verschiedenen Varianten vorkommt. Die bekanntesten sind A1- und A2-Beta-Kasein. Je nach genetischer Veranlagung der Kuh enthält die Milch unterschiedlich hohe Anteile dieser beiden Varianten. Herkömmliche Milch enthält meist sowohl A1- als auch A2-Beta-Kasein. Handelsübliche Milch hat einen Kasein-A2-Wert von circa 65 bis 80 Prozent. Von A2-Milch spricht man, wenn das Beta-Kasein ausschließlich vom Typ 2 ist. Um das genauer zu verstehen, muss ein Blick auf das Kasein geworfen werden.

Was ist Kasein und wie wirkt es?

Milcheiweiß besteht zu 80 Prozent aus Kasein. Dieses kann wiederum unterteilt werden in Alpha-, Beta-, Kappa- und Gamma-Kasein. Eine besondere Rolle spielt das Beta-Kasein, dieses kann erneut in verschiedene Untergruppen unterteilt werden. Die relevantesten Varianten sind A1 und A2. Sie unterscheiden sich in einer Aminosäure, also einem kleinen Bestandteil des Eiweißes. Ein anderer bedeutender Unterschied wird bei der Verdauung sichtbar.  

Wird das Beta-Kasein A1 verdaut, entsteht eine chemische Verbindung, die in wissenschaftlichen Studien mit verschiedenen gesundheitlichen Effekten, darunter Verdauungsbeschwerden, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, diskutiert wird. Bei Magen-Darm-Beschwerden deuten einzelne Studien auf eine bessere Verträglichkeit von A2-Milch hin, die Aussagekraft der verfügbaren Daten wird jedoch als gering bis moderat bewertet. Zwischen dem Konsum von Milcheiweiß und Diabetes konnte bisher kein eindeutiger Zusammenhang festgestellt werden. Auch die Studien in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen brachten keine ausreichenden Beweise für einen Zusammenhang. Der aktuelle Forschungsstand zur A2-Milch verhält sich kontrovers. Bisher können keine gesundheitlichen Vor- oder Nachteile der A2-Milch genannt werden.

Unsere Quellen für diesen Artikel

  • Arbeiterkammer Oberösterreich (ooe.arbeiterkammer.at: Das Geschäft mit der Laktoseintoleranz; Zugriff: 21.05.2026)
  • BMASGK(2023): Österreichisches Lebensmittelbuch/Codexkapitel B32 Milch und Milchprodukte
  • Dato Denkwerkzeuge (oenwt.at; Zugriff: 21.05.2026)
  • Elmadfa und Leitzmann (2023): Ernährung des Menschen
  • European Centre for Allergy Research Foundation (ecarf.org: Kuhmilchallergie; Zugriff: 22.05.2026)
  • European Food Safety Authority (2009): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to lactase enzyme and breaking down lactose
  • Gelbe Liste (gelbe-liste.de: Laktoseintoleranz; Zugriff: 21.05.2026)
  • HBLFA Tirol (2022): Laktosegehalt von Milch und Milchprodukten 
  • Kompetenzzentrum für Ernährung (2019): A1- versus A2-Milch
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at: Allergie auf Milch; Zugriff: 22.05.2026)
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at: Laktoseintoleranz; Zugriff: 21.05.2026)
  • Schwarzenbacher et al. (k.A.): Monitoring von Beta Kasein über die Genomische Selektion
  • Vereine für Unabhängige Gesundheitsberatung (ugb.de: Wie wird laktosefreie Milch hergestellt?; Zugriff: 21.05.2026)
  • Vogelreuter (2012): Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Das könnte dich auch interessieren

Mehlpackung mit glutenfrei-Label | © Land schafft Leben
Alarm im Darm: Was ist Zöliakie?
Mehr erfahren
Christina Kottnig | © Slow Food Österreich
Slow Food: ein Mahl mit Zeit
Mehr erfahren
regionale Proteinquellen | © Land schafft Leben
So einfach bringst du regionales Eiweiß auf den Teller
Mehr erfahren
Salat aus Buchweizen mit Radieschen Rote Rueben Hokkaido Ziegenkäse | © Land schafft Leben
3 Buchweizen-Rezepte für den ganzen Tag
Mehr erfahren